

Der außergewöhnlich hohe Gehalt an Vitaminen, Nähr- und Mineralstoffen macht Hafer zum wichtigen Bestandteil einer gesunden Ernährung - weit über seine traditionelle aber zu begrenzte Verwendung als Baby- und Krankenkost hinaus.
Ballaststoffe sind Nahrungsbestandteile, die im Darm des Menschen nicht abgebaut werden können. Sie bestehen aus langkettigen Kohlenhydraten. Im Hafer sind wasserlösliche und unlösliche Ballaststoffe zu gleichen Teilen enthalten.
Das Besondere am Hafer ist sein Gehalt an dem löslichen Ballaststoff Beta-Glucan. In einem 2009 veröffentlichten Gutachten hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Wirkung des Beta-Glucans im Hafer anerkannt: Die EFSA bestätigt, dass zwischen dem Verzehr des Beta-Glucans und der Reduzierung der Cholesterin-Konzentration im Blut eine Ursache-Wirkung-Beziehung besteht.
Seit Dezember 2011 dürfen Lebensmittelhersteller gemäß EU-Verordnung die Auslobung "Hafer-Beta-Glucan verringert nachweislich den Cholesteringehalt im Blut" für ihr Produkt verwenden, wenn das Lebensmittel pro Verzehrportion mindestens ein Gramm des Ballaststoffs Beta-Glucan enthält und das Beta-Glucan aus Hafergetreide stammt. Der Lebensmittelhersteller muss kennzeichnen, dass ein hoher Cholesterinwert zu den Risikofaktoren für die koronare Herzerkrankung gehört und dass sich die cholesterinsenkende Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von drei Gramm Hafer-Beta-Glucan einstellt.
Drei Gramm Hafer-Beta-Glucan sind enthalten in:
- knapp 7 Esslöffeln Haferflocken
- oder knapp 4 Esslöffeln Haferspeisekleie
- oder einem Frühstück aus drei bis vier Esslöffeln Haferflocken mit Milch und Obst und einer Zwischenmahlzeit mit Joghurt, in den zwei Esslöffel Haferkleie eingerührt werden.
Wissenschaftliche Studien lassen den Schluss zu, dass ein hoher Verzehr an Ballaststoffen u. a. das Risiko für Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und die koronare Herzkrankheit reduzieren kann. Ein hoher Verzehr an Ballaststoffen speziell aus Getreidevollkornprodukten kann wahrscheinlich das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 verringern.
*Die Aussagen beruhen auf Studienauswertungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung im Rahmen des Entwurfs einer Evidenzbasierten Leitlinie zur Kohlenhydratzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten (Sept. 2010).
Die löslichen Ballaststoffe, zum Beispiel die Beta-Glucane, bilden durch die Bindung von Wasser eine viskose (zähflüssige) Lösung. Diese schützt die Darmschleimhaut und sorgt für einen längeren Nährstoffabbau im Dünndarm, der eine verzögerte Magenentleerung und einen langsameren Anstieg des Blutzuckerspiegels zur Folge hat. Über ihre große Oberfläche absorbieren die Beta-Glucane überflüssige Stoffe im Darm, z. B. die Gallensäuren, und fördern deren Ausscheidung. Der Körper muss neue Gallensäuren mit Hilfe von Cholesterin bilden, wodurch der Cholesterinspiegel auf einem gesunden Level gehalten wird. Besonders viel Beta-Glucan ist in Haferkleie enthalten, die 85 % der Ballaststoffe des Haferkorns enthält.
Die unlöslichen Ballaststoffe können kein Wasser aufnehmen und somit keine viskose Masse bilden. Da sie nicht durch die Fermentation im Dickdarm abgebaut werden, erhöhen sie das Stuhlvolumen sehr stark. Damit aktivieren sie die Darmbewegung und beschleunigen Darmpassage und Ausscheidung.
Eiweiß ist ein lebenswichtiger Grundstoff, den der Organismus für den Stoffwechsel, für Gewebe und Muskeln und vieles mehr benötigt. Das Eiweiß des Hafers ist dem körpereigenen Eiweiß ähnlich und kann im Organismus gut verwertet werden, was zu erhöhter körperlicher Leistungsfähigkeit führt. Darüber hinaus enthält es die acht essentiellen Aminosäuren, durch die der Zell- und Gewebeaufbau im Körper unterstützt und die Produktion lebenswichtiger Enzyme und Hormone angeregt wird. Man spricht von einer hohen biologischen Wertigkeit des Haferproteins.
Hafer kann nicht als glutenfrei bezeichnet werden. Richtig ist jedoch, dass Hafer sehr viel weniger Gluten enthält als andere Getreide, wie z. B. Weizen. Bei Unverträglichkeiten, und insbesondere bei Zöliakie, gilt, dass Hafer nur in Absprache mit dem Arzt in die Ernährung einbezogen werden sollte.
Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. hat kürzlich eine Stellungnahme zum Thema Hafer veröffentlicht: www.dzg-online.de.
Allergien auf Getreide sind am häufigsten auf die Brotgetreidearten Weizen und Roggen zu beobachten. Wer diese weniger gut verträgt, kann Hafer ggf. essen, denn die Proteine im Hafer haben eine andere Zusammensetzung. Weizen, Roggen und auch Gerste sind allergologisch nahestehend und zeigen starke Kreuzreaktionen, Hafer hat schwächere Kreuzreaktionen zu diesen drei Arten.
Fette sind wichtige Energiespeicher- und Aufbausubstanzen. Die Fettstoffe des Hafers enthalten zu 70 % ungesättigte Fettsäuren, davon macht die essentielle Linolsäure 40 % aus. Sie begünstigt den Aufbau von Zellmembranen und wirkt regulierend auf den Cholesterin- und Blutfettspiegel.
Vitamine schützen den Körper vor äußeren Einflüssen und Belastungen und wirken an vielen Stoffwechselabläufen mit. Hafer ist reich an Vitaminen der B-Gruppe. Vitamin B1 unterstützt das Nervensystem und fördert die Konzentration. Vitamin B2 ist wichtig für Stoffwechselprozesse sowie Haut und Nägel. Vitamin B6 braucht der Körper für die Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und die Produktion des körpereigenen Glückshormons Serotonin. Folsäure (Vitamin B9) ist notwendig für Wachstum und die Bildung der roten Blutkörperchen. Vitamin E gehört zu den sogenannten Radikalfängern, es schützt den Organismus vor den schädigenden Oxidationsstoffen, stärkt das Immunsystem und wirkt entzündungshemmend.
Richtwerte für die Tageszufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen werden von der Ernährungswissenschaft vorgegeben. B-Vitamine sind wichtige Nährstoffe und im Hafer reichlich vorhanden.
Durch den Verzehr von 40 Gramm Haferflocken (1 Portion):
Mineralstoffe sind für vielfältige lebenswichtige Funktionen im Körper unerlässlich. Besonders stark sind sie an der Regulierung des Wasserhaushalts, am Energiestoffwechsel, am Knochenaufbau sowie an der Reizübertragung im Nervensystem beteiligt.
Spurenelemente gehören zu den Mineralstoffen, müssen jedoch nur in sehr geringen Mengen unter 0,02 Gramm täglich dem Körper zugeführt werden.
Durch den Verzehr von 40 Gramm Haferflocken (1 Portion):
Der Gehalt der folgenden Mineralstoffe und Spurenelemente in Haferflocken ist weniger stark ausgeprägt. Durch den Verzehr von 40 Gramm Haferflocken (1 Portion):
Gering ist der Gehalt in Haferflocken folgender Spurenelemente:
Durch die Kombination mit Lebensmitteln, die mehr der hier genannten Mineralstoffe enthalten, kann das Nährstoffgefüge von Hafer sinnvoll ergänzt werden!
Brennwert/Energie | 368 kcal |
Protein/Eiweiß | 13,5 g |
Kohlenhydrate | 58,7 g |
… davon Zucker** | < 1,2 g |
Fett | 7,0 g |
… davon ges. Fettsäuren | 1,24 g |
Ballaststoffe | 10,0 g |
Natrium | 6,8 mg |
Vitamin B1 | 0,59 mg |
Vitamin B2 | 0,15 mg |
Vitamin B6 | 0,16 mg |
Vitamin B9 (Folsäure) | 0,087 mg |
Vitamin E | 1,5 mg |
Eisen | 5,8 mg |
Zink | 4,3 mg |
Magnesium | 130 mg |
Phosphor | 430 mg |
Calcium | 43 mg |
Quelle (außer Zucker): Souci/Fachmann/Kraut 2008: Die Zusammensetzung der Lebensmittel, Nährwert-Tabellen.
*Hafer ist ein Naturprodukt. Daher können von Jahr zu Jahr sorten-, herkunfts- und ernteabhängige Schwankungen bei den Nährwerten auftreten.
**Im Haferkorn natürlich enthaltener Zucker.