Anbau


Gesundungspflanze und Fruchtfolgewert

Das gut entwickelte Wurzelwerk des Hafers schließt leicht Nährstoffe aus dem Boden auf. Es wächst so tief und ist so weit verzweigt, dass es sogar an die Nährstoffe gelangt, die von Vorfrüchten zurückgelassen wurden. Hafer wird als Pionier- und als Gesundungspflanze bezeichnet, denn er wächst auch auf ungünstigen Bodenstrukturen, wie gerodetem Waldboden oder entsumpften Böden, und trägt zur Erholung des Ackerbodens bei. Hafer ist widerstandsfähig und kann sinnvoll in nachhaltigen Fruchtfolgen eingesetzt werden. Da sich viele Getreideschädlinge in Hafer kaum vermehren können, ist er weitgehend resistent gegenüber den meisten Pflanzenkrankheiten. Darüber hinaus bewirkt Hafer eine gewisse Unkrautunterdrückung. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist bei Hafer gering. Insektizide und Wachstumsregler werden spezifisch nach Bedarf eingesetzt, Fungizide sind meist nicht erforderlich.

Ein guter Fruchtfolgewert mit Hafer wird erzielt im Mischanbau mit Leguminosen sowie als Vorfrucht vor Winterweizen, Winter- und Sommergerste. Vor Wintergetreiden hat Hafer einen ähnlichen Effekt wie Blattfrüchte.


Qualitätsparameter für die Schälmühle

Für die Schälmühlen sind verschiedene Qualitätsparameter bei der Auswahl des Rohhafers wichtig. Eine gute Schälbarkeit und ein möglichst niedriger Anteil von Fremdgetreide und Besatz erhöhen die Effizienz bei den Sortierungsprozessen in der ersten Verarbeitungsphase.

Die Größe des Kerns ist für die beiden absatzstärksten Erzeugnisse, kernige und zarte Haferflocken, wichtig. Kernige Haferflocken (Großblattflocken) werden aus den ganzen entspelzten Kernen ausgewalzt. Eine gleichmäßige ovale Form kann vor allem aus einem schönen großen Kern erzielt werden. Für zarte Haferflocken (Kleinblattflocken) werden die Haferkerne zunächst in kleine Stücke – die sogenannte Grütze - geschnitten. Anschließend werden dann die kleinen Stücke zu Flocken gewalzt. Das Zerkleinern zu Grütze ist mit einem großen Kern ebenfalls leichter.
Leicht festzustellende Qualitätsmerkmale sind der frische sowie getreide- und arttypische Geruch des Haferkorns und die schöne helle arttypische Farbe des Kerns ohne dunkle Verfärbungen.

Darüber hinaus sind Kernanteil (Kern-Spelze-Verhältnis 2:1), Feuchtigkeit und Hektolitergewicht weitere Bewertungsparameter. Das Hektolitergewicht ist in erster Linie eine gut und leicht zu messende, aber bei weitem nicht immer ausschlaggebende Größe. Alle Kriterien fließen in die Beurteilung des Rohhafers für die Nahrungsmittelverarbeitung ein.