Hafermühlen setzen neue Impulse für den Anbau von Hafer in Deutschland

Die Hafermühlen in Deutschland verarbeiten aktuell rund 500.000 Tonnen Qualitätshafer – eine Steigerung der Verarbeitungsmenge um 70 % in 10 Jahren. Im selben Zeitraum gingen die Anbauflächen in Deutschland um 22 und die Haferernte um 27 Prozent zurück. Eine Rohstoffversorgung ausschließlich aus dem heimischen Markt ist nicht möglich. Mit einer neuen Initiative sollen Impulse für den Anbau von Hafer in Deutschland gesetzt werden. Auftakt war das Forum Haferanbau, das am 24. September in Berlin stattfand.

Zum Start der Initiative zur Förderung des Haferanbaus in Deutschland hatten die Hafermühlen für den 24. September nach Berlin zum Forum Haferanbau eingeladen. Die Teilnehmer kamen aus allen Branchen entlang der Wertschöpfungskette: von der Pflanzenzüchtung über die Landwirtschaft und den Handel bis hin zur Verarbeitung. Auch Behörden und Kammern einiger Bundesländer sowie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft waren vertreten.

„Wissen über die Getreideart Hafer austauschen, Verständnis füreinander entwickeln und gemeinsam nachhaltige Konzepte erarbeiten, um Hafer als lukrative Marktfrucht zu etablieren, das können wir nur im Gespräch“, erläutert Ulrich Schumacher, Sprecher der Hafermühlen im Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS. Weiterhin führt er aus, dass die neue Haferanbau-Initiative dem Hafer in der Landwirtschaft mehr Aufmerksamkeit und einen höheren Stellenwert in der Fruchtfolge geben soll.

Denn Hafer gilt als „Gesundungsfrucht“ für den Boden: Er zeigt eine hohe Unkraut- und Krankheitsunterdrückung sowie eine gute Nährstoffaneignung, Dünge- und Pflanzenschutzmittel müssen nur moderat bis sehr gering eingesetzt werden. Vor allem der hohe Fruchtfolgewert macht Hafer zu einer auch wirtschaftlich interessanten Feldfrucht. Gerade enge Wintergetreide- und Rapsfruchtfolgen lockert er auf und kann nach Getreide die Stellung einer abtragenden Blattfrucht einnehmen.

Angesichts der wachsenden Herausforderungen durch Klimaveränderungen einerseits und durch steigendes Interesse an pflanzenbetonter Ernährung andererseits wird es auch darum gehen müssen, Haferforschung und -züchtung voranzutreiben sowie neue Hafersorten und Innovationen in der landwirtschaftlichen Praxis zu entwickeln. Zur Verstärkung des Anbaus von schälmühlenfähigem Hafer muss jedoch auch ein intensiver Know-how-Transfer in die Landwirtschaft erfolgen, damit über einen erfolgreichen Einstieg in den Anbau auch Begeisterung für den Hafer entstehen kann.

Für ein gutes Ernteergebnis ist es wichtig, dass der Landwirt im Vorhinein eindeutig festlegt, ob er Hafer für Lebensmittel oder für Futtermittel anbaut, und dann an die ausgewählte Strategie angepasste Maßnahmen anwendet. Es können durchaus einige allgemeingültige Regeln für den Haferanbau aufgestellt werden. Unerlässlich ist jedoch, unter Berücksichtigung der vorherrschenden Bodenbedingungen, die Wahl des richtigen Standorts und der dazu geeigneten Hafersorte, um gute Erträge und Qualitäten realisieren zu können. Das Hektolitergewicht als einfach zu messendes Qualitätskriterium steht seit langem in der Diskussion. In den Gesprächen beim Forum Haferanbau stellten die Hafermühlen noch einmal deutlich heraus, dass vor allem die Größe des Haferkerns, der Kernanteil und die Schälbarkeit für die Wirtschaftlichkeit des Schälprozesses maßgebend sind. Diese Parameter können nicht immer von der Landwirtschaft selbst getestet werden. Daher ist es grundsätzlich hilfreich, wenn Landwirtschaft und Handel den Schälmühlen Muster zur Bonitierung zur Verfügung stellen.

Fazit des Forums Haferanbaus ist, dass für eine langfristig erfolgreiche Zusammenarbeit die Partner aus Landwirtschaft, Handel und Schälmühle aufeinander zugehen, voneinander lernen und verlässliche Beziehungen aufbauen müssen. Ein wichtiger Schritt wurde dafür mit dem Forum Haferanbau getan. Zum Ausbau des Netzwerks und für eine wirksame Weitergabe von Wissen werden weitere Projekte auch auf regionaler Ebene folgen.

Die Hafermühlen sind überzeugt: „Mit einem nachhaltigen Know-how-Transfer und mehr Engagement und Begeisterung kann das Ziel erreicht werden, den Hafer nicht nur als temporäre Alternative, sondern als festen Bestandteil der Fruchtfolge mit einer lukrativen Vermarktungsaussicht zu etablieren. Dann ist es möglich, die Anbauflächen in Deutschland auszudehnen und die Mengen an Schälmühlen-Hafer für die Lebensmittelproduktion zu erhöhen.“